Montag, 20. Mai 2013

Dauerstau nach Straßenbahngleis-Ausbau in Dresden - Bühlau?


Hallo,

immer wenn ich einkaufen gehe, muss ich an solchen tollen Schildern/Plakaten gegen den "Ausbau" der Bautzner Landstraße vorbei, welche ich dann im Gesamtzusammenhang gesehen so lustig finde, dass ich sie hier mal darbiete.

Ausbau in Anführungsstrichen deshalb, weil eigentlich nichts anderes gemacht wird als die hier oben in Bühlau dringend sanierungsbedürftigen Gleise der Straßenbahn durch welche mit einem etwas größeren Abstand zum anderen Gleis (Gegengleis) wieder zu ersetzen.



Auf dem Bild oben sieht man ein Stück des betroffenen Abschnittes. In der Mitte ganz oben im Bild hängt ein Schild mit einer 2 drauf, die signalisiert dass die Straßenbahn ab da 20 km/h maximal fahren darf. Bis zu dieser Stelle hier muss die Straßenbahn übrigens mit 10 km/h schleichen, so kaputt sind die Gleise schon. Inzwischen ist die Strecke allerdings schon gesperrt, da man schon in einigen Teilbereichen angefangen hat zu arbeiten.

Dresden muss man wissen, hat historisch bedingt quasi die Gleise leider so eng aneinander liegen, dass speziell für Dresden besonders schmale Straßenbahnwagen gefertigt werden müssen. Und das schon quasi von Beginn an.
Abgesehen vom Extra-Aufwand der Dresdner Sonderanfertigungen bedeutet das weniger Platz im Innenraum. Bei 4 Sitzplätzen nebeneinander, was aus diesen Gründen eben auch so gut wie es geht vermieden wird, kommt man kaum noch zwischen den Sitzen seitlich vorbei.

Jedenfalls wird schon seit einer ganze Menge von Jahren, schon seit DDR-Zeiten (seit Anfang der 70er Jahre), der Gleisabstand aus diesem Grund bei allen Neu- und Ersatzbauten auf den normalen Abstand geändert. Überall ging das bisher recht klaglos, aber hier oben in Bühlau fühlen sich dadurch scheinbar doch eine ganze Menge Personen unangenehm betroffen.

Ursprünglich im Raum stand eigentlich der Ausbau der Bautzner Landstraße hier oben, auf moderne Standards. Dies hätte durchaus den ein oder anderen Vorgarten kosten oder zumindest verkleinern können.

Nun ist das erst mal nicht auf dem Plan, aber da die Gleise auf manchen Teilstücken schon stark verschlissen sind will (muss) man die austauschen, und dabei will man gleich den Wechsel auf das normal breite Format vollziehen um dann nicht noch mal die Gleise rausreißen zu müssen.

Mehr Infos findet man dazu auch auf der Seite der DVB: http://www.dvb.de/de/Aktuelles/Baustelle-Zukunft-/Bautzner-Strasse/

Man muss noch wissen, dass die Bautzner Straße hier oben teilweise recht eng ist. Soll heißen neben der Straßenbahn ist teilweise kaum ein Durchkommen, so schmal sind die "Fahrspuren" daneben, an mancher Stelle ist es wegen der Enge auch mit Kleinwagen unmöglich rechts vorbei zu fahren, an deren Stücken geht das wieder recht problemlos.

Das folgende Bild eines Anwohners soll verdeutlichen, dass man "heute" noch rechts neben der Straßenbahn vorbeifahren kann, ab nach dem Umbau 2013 aber nicht mehr. Wie ich schon bereits anführte, ist das aber auch heute schon nicht überall gefahrlos möglich, und schon gar nicht mit LKW oder Bussen. Die fahren fast generell hinter den Bahnen her bis auf paar wenige Überholmöglichkeiten.


Die Straße ist allerdings auch nicht als 4-spurige Straßen gekennzeichnet, beim Überholen geht es generell fast überall zumindest ein bisschen in den Gegenverkehr.

Auch das folgende Bild soll verdeutlichen dass das auseinanderrücken der Gleise die Autos behindert:



Zu einem gewissen Teil haben die Anwohner recht. Aber irgendwo übertreiben sie mit ihren Argumenten so dass ich mich frage wer dann nach dem Ausbau der erste ist der seine Plakate wieder reinholt damit er sich nicht lächerlich macht.

Unbestritten wird der etwas größere Gleismittenabstand dazu führen, das neben den Bahnen weniger Platz bleibt und somit Überholvorgänge viel weniger möglich sind als heute.
Auf der anderen Seite können die Straßenbahnen aber nach dem Ausbau wieder ihre volle erlaubte Geschwindigkeit fahren, und somit hier problemlos im Verkehr mitschwimmen. Anstelle 20 oder nur 10 km/h auf manchen reparaturbedürftigen Stücken kann sie dann wieder mit den hier erlaubten 50 km/h verkehren. Und wer hier schon mal mit der Straßenbahn mitgefahren ist weiß dass sie das hier auch tut.

Man kann also festhalten dass die Straßenbahn genauso schnell wie ein PKW fahren kann, diesen also nicht behindert. Bleiben nur die Halte auf der Strecke, wo die PKW aber auch schon bisher hinter den Straßenbahnen warten mussten, schon zur Sicherheit der ein- und aussteigenden Fahrgäste. Angenommen auf Grund der Verbreiterung können die PKW gar nicht mehr überholen, so sind hier ca. 4 Haltestellen am Stück wo ein überholen zwischendrin sehr schwer oder unmöglich ist, das bedeutet bei einer Haltezeit von ca. 15 Sekunden pro Haltestelle gerade mal eine Verzögerung von 1 Minute für nachfolgende PKW gegenüber freier Fahrt ohne Straßenbahn. Ich denke nicht dass das so ins Gewicht fällt in Anbetracht der gesamten Fahrstrecke und den sonstigen Unwägbarkeiten im Straßenverkehr einer Großstadt.

Insofern finde ich die folgenden Schilder von Anwohnern etwas übertrieben:


"Gleisumbau = Dauerstau". Da frage ich mich wirklich wie man auf so einen Spruch kommt. Der Verkehr hat sich auch so schon an manchen Tagen hier gestaut, auch ohne die Straßenbahn. Beziehungsweise sie stand selber notgedrungenermaßen mit im Stau. Des weiteren fährt hier nur aller 10 Minuten eine Straßenbahn pro Richtung entlang. Die Wahrscheinlichkeit überhaupt eine Straßenbahn hier oben in Bühlau vor sich zu haben ist also recht gering. Der Endpunkt Bühlau ist auch nicht weit, wo die Straßenbahn dann sowieso von der Straße runterfährt. In der anderen Richtung ist dann die Straße nach den 4 Haltestellen wieder so breit, dass Autos und sogar Busse und LKW problemlos an der Straßenbahn vorbeikommen.

Ich denke hier wurde alles hochdramatisiert. Durch den ursprünglich geplanten Ausbau mit eventueller Dezimierung so manches Vorgartens waren die Anwohner schon in guter Stimmung gegen das Ganze, nun da der Ausbau der gesamten Straße erst mal nicht angegangen wird entlädt sich das ganze gegenüber der Verbreiterung der Gleise, auch wenn die Auswirkungen nicht so dramatisch werden wie angenommen. Richtig ist Überholen wird auf dem Stück hier viel schwerer wenn nicht gar unmöglich, aber die Straßenbahn kann dann (wieder) schneller fahren und fährt auch nicht so oft dass man von einer generellen Behinderung sprechen könnte.

Das persönliche Highlight ist für mich aber folgendes Schild:

Da weiß also einer schon ganz genau wo dann der Stau endet.

1. gibt es keinen Dauerstau! Nur zu ganz wenigen Tageszeiten und auch nur an manchen Tagen kommt es wirklich mal zu Stauerscheinungen auf der Bundesstraße 6 hier, die aber nicht durch die fahrenden Straßenbahnen bedingt sind, sondern durch Rückstau aus der Stadt, zum Beispiel im morgendlichen Berufsverkehr wenn hier alle aus den Ortschaften östlich von Dresden zur Arbeit in die Stadt wollen mit ihren PKW´s.

2. frage ich mich, wieso er grad da an diesem Grundstück enden soll. Es liegt unweit einer Ampel, wo eh wenn da 3 Autos davor stehen schon der "Stau" endet. Viele Staus enden schon weiter vorne, zur Stadt zu. Ich weiß wovon ich rede, immerhin bin ich selber Anwohner der Bundesstraße 6. Wenn es ganz dicke kommt, steht aber die ganze Bautzner Landstraße bis hinter nach Bühlau, und dann geht fast gar nichts mehr.

Jedenfalls ein Schild zum Amüsieren, wo ich dann jedesmal ab September (oder später) wenn die Strecke fertig wird schmunzeln werde, wenn keine Autos (bis dort hin) im Stau stehen.

Durch die Einwände der Anwohner konnten die Bauarbeiten leider nicht mit Beginn der Streckensperrung im März beginnen, so dass die Arbeiten und der Busersatzverkehr wohl noch etwas länger als bis Ende August dauern werden.
Zum Glück ist der Busersatzverkehr dieses Mal weniger stressig als gedacht als bei der letzten großen Streckensperrung 2008/2009.

Inzwischen wurde die Baumaßnahme auch genehmigt. Eine offizielle Versammlung mit der DVB zu den Bauarbeiten und den Einwänden der Anwohner etc. ist auch vorher noch mal erfolgt.

Schauen wir mal wie es nach der Sanierung mit gleichzeitiger Verbreiterung der Gleisanlagen aussieht. Die hier an die Wand gemalten Horrorszenarien finde ich allerdings etwas übertrieben, muss ich als Anwohner, Straßenbahn- sowie Autofahrer sagen, der die Straße gut kennt.

Schöne Grüße aus Dresden von

Rolf Schreiter

PS: Diese Schilder kann jeder sehen der sich auf der Bautzner Landstraße hier oben bewegt. Trotzdem habe ich versucht sie so zu fotografieren, dass man vom angrenzenden Haus nicht so viel sieht.