Sonntag, 18. April 2010

MAN/GÖPPEL MAXI TRAIN auf Testfahrt in Dresden im April 2010

Hallo!


Gestern am Samstag 17. April 2010 bin ich nun endlich mit dem neuen MAXI TRAIN von MAN und GÖPPEL durch Dresden Probe gefahren.





Zwei Wochen befindet sich diese Kombination aus MAN-Linienbus und GÖPPEL-Anhänger in Dresden im Testbetrieb auf den Linien 61 und 62, die beide sehr stark ausgelastet sind und deshalb in Zukunft eventuell durch neu zu bauende Straßenbahnlinien übernommen werden sollen.

Obwohl auf beiden Linien Gelenkbusse eingesetzt werden reicht ein 10-Minuten-Takt nicht aus. Die 61 fährt an der Technischen Universität Dresden vorbei und wird zeitweise durch die E61 unterstützt, so dass es hier etwa zu einem 5-Minuten-Takt kommt.

Die 62 verbindet zwei Stadtteile mit der Innenstadt und fährt bereits jetzt mit hoher Auslastung, obwohl der Takt bei etwa 6, 7 oder 8 Minuten in der Hauptverkehrszeit liegt.

Deshalb suchen die Dresdner (Verkehrsbetriebe - DVB) nach Lösungen und haben das Angebot des Herstellers MAN angenommen, eine relativ neue Version eines Busses mit Anhänger von der Firma GÖPPEL Probe zufahren.


Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, und bin mit dem für Dresden neuen Gespann mitgefahren.

Am Anfang war das gar nicht so einfach, weil, trotzt Unterstützung der DVB-Hotline-Mitarbeiter der Bus am Freitag-Mittag auf der E61 von Gruna/Karcheralle/Tiergartenstraße nach Löbtau nicht kam. Eventuell wurde er kurzfristig ersetzt. Aber ein Mitarbeiter der DVB war so nett mir später am Tag die Fahrzeiten für den Samstag zu geben. Da hat dann auch alles geklappt und ich kann nun hier meine Fahreindrücke schildern und ein paar Bilder präsentieren. Die Videos die ich gemacht habe, sind schon seit Samstag Abend bei Youtube unter http://www.youtube.com/user/Blogbetreiber online.

Jedenfalls bin ich da am Samstag Mittag zum Uniklinikum Dresden gefahren, weil dort die 62 ihre Fahrt nach Dresden-Dölzschen beginnt. Der MAXI TRAIN kam wie versprochen (mit einer leichten Verspätung von etwa 2 Minuten) an, und es entstand während des kurzen Aufenthalts bis zur Weiterfahrt ein Video von Außen, dass auch das Kupplungssystem (die Deichsel) gut zeigt:


An der Endhaltestelle in Dölzschen hatte ich genug Zeit, um diese Fotos des Kupplungssystems zu machen:




Leider ist die Zugmaschine in weiß, und der Anhänger in rot, so dass nicht alles wie aus einem Guss wirkt, aber trotzdem kann man erkennen, dass der Anhänger optisch von den Maßen her sehr gut auf das Zugfahrzeug abgestimmt ist.


Ich bin zuerst in das Zugfahrzeug eingestiegen, um ein Gefühl für die Motorbelastung zu bekommen. Immerhin soll der Anhänger (am bis zu 18 Tonnen schweren Linienbus) noch einmal bis zu 14,5 Tonnen zusätzlich wiegen. Der Busfahrer verriet mir bei dem Aufenthalt am anderen Ende der Linie in Dölzschen, dass dieser Bus extra mehr Leistung mit umschaltbaren Übersetzungen hat, damit die zusätzliche Last in allen Lagen gut bewältigt werden kann. Während vergleichbare Busse in dieser Länge von 12 Metern oft 260 oder 280 PS haben, hat diese Ausführung von MAN 312 PS.


Also jedenfalls saß ich am Anfang direkt über dem Motor und hatte das Gefühl, dass man schon heraushört, dass der Motor ganz schön was leisten muss, und der Bus jetzt auch nicht so schnell beschleunigt. Allerdings hat sich im weiteren Streckenverlauf gezeigt, dass man doch schneller beschleunigen kann, und ich war dann am Ende vollkommen zufrieden mit der gebotenen Leistung (Beschleunigung/Fahrgefühl).


Nach ein paar Haltestellen habe ich mich hinten in den Anhänger gesetzt und war vom Fahrgefühl sehr überrascht. In Kurven ist es ein ganz anderes Gefühl als in einem normalen oder einem Gelenkbus. Die Erklärung folgt auf dem Fusse: Beim Anhänger sind alle 4 Räder gelenkt, so dass der Anhänger in Kurven Bewegungen macht, die man von anderen Fahrzeugen nicht gewohnt ist. Und: Obwohl es wirklich eigenartig war fand ich es eher angenehm! Ein kurzes Video von den gelenkten Achsen während der Kurvenfahrt was ich gemacht habe findest Du unter http://www.youtube.com/user/Blogbetreiber oder auch gleich hier:


Sowie ein kurzes Video, wo trotzt Kurvenfahrt (wegen dem kleineren Radius) die Räder nicht auslenken müssen:


Kommen wir zunächst noch einmal auf die negativen Erfahrungen mit dem Hänger, bevor ich anfange zu schwärmen! Wie bei so manchen anderen Bussen oder Fahrzeugen gibt auch der Hänger auf den teils schlechten Straßen an der Linie 62 glucksende Geräusche vom Fahrwerk von sich. Außerdem habe ich, wenn es schnell gehen musste, die Taster für die Türöffnung nicht gefunden, weil sie optisch anders aussehen, als bei den meisten anderen Dresdner Bussen.


So, und jetzt zu den positiven Fahreindrücken des Anhängers. Wie ich schon schrieb ist das Fahrgefühl durch die Allradlenkung ein anderes als man gewohnt ist. Ich fand das aber eher angenehm, genauso wie die Stille im Anhänger, sollten nicht gerade ein paar leicht angeheiterte Dynamo-Fans (so wie am Samstag) mitfahren. Den Motor hört man eigentlich nur während der Fahrt beim Beschleunigen zeitweise etwas durch die doppelverglassten Scheiben. Ansonsten ist es im Anhänger mucksmäusschen still. Im Bus hat man ansonsten immer den Motor präsent (zumindest wenn man eher hinten sitzt), hier hört man aber höchstens, wenn die Hydraulik etwas zu tun hat, da er sehr gut gedämmt ist und ja über keinen eigenen Fahrmotor verfügt.


Haltestellendruchsagen funktionieren wie in den Dresdner Bussen bereits gewohnt.

Die Dresdner Ausführung des Anhängers war eher eine mit mehr Sitzen. Trotzdem war zwischen den beiden Türen des Anhängers Platz für Fahrräder, Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer.


Die Federung war eher weicher als von den Bussen gewohnt, trotzdem machte der Anhänger angesichts so mancher noch nicht ausgebauter Dresdner Straßen auf der Strecke vom Uniklinikum nach Dölzschen sehr heftige Auf-und Abwärtsbewegungen, die zum Glück von den besonders komfortablen und weichen Sitzen des Hängers (so gut gepolsterte Sitze gibts sonst gar nicht im Normalfall in Dresden) abgefangen wurden.

Die Länge des Gespanns in dieser Variante (MAN BUS A21 und GÖPPEL MAXI-Trailer G11) beträgt 23 Meter, weshalb dieser Bus auch nur mit Sondergenehmigung in Dresden fahren dufte. Teilweise hatte ich das Gefähl, das der Busfahrer schon etwas konzentrierter als auch mit einem Gelenkbus fahren muss, weil das Gespann eben doch noch etwas mehr Straßenraum braucht. Natürlich fehlt hier auch die jahrelange Routine mit solchen Fahrzeuge in Dresden. Dazu kam noch, das ausgerechnet jetzt an der Endhaltestelle in Dölzschen gebaut wird, so dass es mit diesem Gespann Millimeterarbeit war, den Bus im verengten Kreisel zu wenden.


Der Anhänger ist auch Niederflurig ausgelegt (Einstiegshöhe 34 cm), und bot in der momentan nach Dresden gelieferten Version geschätzt 36 Personen einen Sitz-Platz, und damit ungefähr so vielen, wie der normale Linienbus, der als Zugmaschine eingesetzt wurde, auch Sitzplätze anbietet (32). Es gibt ihn zum Beispiel aber auch noch in einer Variante mit einem großen Abstellbereich gegenüber der Tür 1 für Fahrräder, Kinderwagen etc., dann bekommen noch 30 Fahrgäste einen Sitzplatz.

Zwischen den beiden Einheiten befinden sich zwei große blaue Absperrbänder, die Personen vor dem (auch unbeabsichtigten) gefährlichen Übersteigen der Deichsel bei Stillstand des "Zuges" abhalten soll.


Es ist ein angenehmes Fahren im Anhänger, ruhiger als vorn und witzig, wenn der Fahrer etwas schneller um Kurven fährt, und (für mich) mit so einer gewissen besonderen Atmosphäre, weshalb das gerne öfters sein drüfte. Ich habe auch schon positives Feedback während der Fahrt von Fahrgästen gegenüber dem begleitenden Personal der DVB feststellen können. Nur planen die DVB (leider) momentan eher nicht, solche Fahrzeuge für den Linieneinsatz zu beschaffen.

Auf der Rückfahrt bin ich dann an der Haltestelle Chemnitzer Straße ausgestiegen, und habe dort dieses 4. und letzte Video gedreht, welches den MAXI TRAIN bei der (recht flotten) Abfahrt Richtung Innenstadt (und von dort aus weiter zur Augsburger Straße am Uniklinikum Dresden) zeigt:


Alles in allem muss ich sagen, eine schöne Idee mit dem Anhänger und ein angenehmes Fahren darin!


Vielleicht komme ich ja mal wieder in den Genuss, mit so einem Bus und Anhänger zu fahren.

Alles Gute wünscht

Rolf Schreiter

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